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Radon in Sachsen

RADON IN GEB√ĄUDEN SACHSENS IM VERGLEICH MIT ANDEREN STRAHLENBELASTUNGEN

  1. Strahlenexposition durch Rado
  2. Situation in Sachsen
  3. Internationale Situation zum Strahlenschutz (Daten im Vergleich)
  4. Abbildung 1:Durchschnittliche Strahlenbelastung in der BRD (aus nat√ľrlichen und k√ľnstlichen Quellen)
  5. Abbildung 2:Radonaktivitätskonzentration in der Bodenluft /GIB-99/
  6. Abbildung 3:Ausgew√§hlte Untersuchungsgebiete f√ľr die Radon - Langzeitmessungen 1996 in Sachsen
  7. Abbildung 4:Radonverf√ľgbarkeit in Sachsen /CUE-96/
  8. Abbildung 5:Radonkonzentration in Gebäuden Sachsens aus 721 Langzeit - Radonmessungen /SIG-97/
  9. Abbildung 6:Radonbilanz eines Wasserwerkes (Stadt Allendorf/Hessen & Bad Brambach /JTS-98/
  10. Tabelle 1:Beispiel der Schwankungsbreiten der nat√ľrlichen Strahlenbelastung in der BRD
  11. Tabelle 2:Daten verschiedener Strahlenbelastungen /BMU-99/ im Vergleich mit Grenzwerten
  12. Schlussfolgerungen
  13. Literatur


Strahlenexposition durch Radon:

Die mittlere Strahlenexposition des Menschen durch nat√ľrliche Strahlenquellen betr√§gt in der BRD etwa 2,4 mSv pro Jahr. Ein wesentlicher Anteil der nat√ľrlichen Strahlenexposition ergibt sich durch die Inhalation von Radon und Radonfolgeprodukten infolge des Aufenthaltes in H√§usern (s. Abb. 1 und Tab. 1). 

Das Radon und dessen radioaktive Zerfallsprodukte gelangen mit der Atemluft in den Atemtrakt, wo ihre energiereiche Alphastrahlung strahlenempfindliche Zellen erreicht und Lungenkrebs hervorrufen kann. Auf Grund neuer Erkenntnisse √ľber die Wirkung des Radons wird - wie auch in den Empfehlungen der deutschen Strahlenschutzkommission - der Jahresaufenthalt in einer Wohnung mit einer Radonkonzentration von 250 Bq/m¬≥ als gleichbedeutend mit einer effektiven Dosis von 4 mSv/a angesehen /SSK-94/. 

Im Jahresbericht 1998 des Bundesumweltministeriums wird zur Radonproblematik mitgeteilt, dass bisher vorliegende Ergebnisse darauf hinweisen, dass bei einer Radonkonzentration ab 400 Bq/m¬≥ Raumluft mit einem erh√∂hten Lungenkrebsrisiko zu rechnen sei. Dies werde auch durch internationale Untersuchungen belegt. In Deutschland seien die Bewohner von etwa 57.000 H√§usern einem erh√∂hten Lungenkrebsrisiko durch das radioaktive Edelgas Radon ausgesetzt. Ca. 5% der 36.000 Todesf√§lle (pro Jahr) infolge Lungenkrebs sind auf Radoneinwirkung zur√ľckzuf√ľhren /BMU-99/ - das w√§ren j√§hrlich 1.800 ‚ÄúStrahlentote‚ÄĚ.

Inhalt


Situation in Sachsen:

  • Bei ca. 800.000 Personen in Sachsen ist mit erh√∂hter Radonbelastung zu rechnen /SIG-97/.
  • Das S√§chsische Staatsministerium f√ľr Umwelt und Landesentwicklung erlie√ü 1995 eine F√∂rderrichtlinie  bez√ľgl. Ma√ünahmen zur Reduzierung hoher Radonkonzentrationen in Geb√§uden /SMU-95/. 
  • 30% bzw. bis zu 80% der Aufwendungen werden finanziert, falls die Radonkonzentration >1000 Bq/m¬≥ ist
  • F√∂rderprogramm ist bisher in Europa einmalig.
  • 721 Radon-Langzeitmessungen im Fr√ľhjahr und im Herbst 1996 in 68 Gemeinden Sachsens im Rahmen  eines Vorhabens des S√§chsischen Staatsministeriums f√ľr Umwelt und Landesentwicklung (s. Abb. 3)
  • Methodik zur Identifikation von Bereichen mit hoher Radonbelastung wurde entwickelt.
  • Bei 65 % der untersuchten H√§user lag die ermittelte Radonkonzentration oberhalb 250 Bq/m¬≥.
  • 19,8 % der Messwerte lagen sogar oberhalb von 1000 Bq/m¬≥ (s. Abb. 5).
  • Strahlenbelastung: je nach Aufenthaltszeit kann die Dosis zum Teil weit √ľber den Grenzwerten  f√ľr beruflich strahlenexponierte Personen liegen (vgl. Tab. 2).

Inhalt


Internationale Situation zum Strahlenschutz (Daten im Vergleich)

Allgemeiner Strahlenschutz:

  • In Deutschland: Grenzwerte f√ľr beruflich strahlenexponierte Personen 50 mSv/a f√ľr Personen in au√üerbetrieblichen √úberwachungsbereichen 1,5 mSv/a (kann im  Ausnahmefall durch die Beh√∂rde auf 5 mSv/a erh√∂ht werden)
  • Die Empfehlung der ICRP 60 /ICR-91/ schl√§gt f√ľr beruflich strahlenexponierte Personen einen √ľber 5 Jahre gemittelten Grenzwert der effektiven Dosis von 20 mSv/a (100 mSv in 5 Jahren) vor, wobei  in einem Einzeljahr die 50 mSv nicht √ľberschritten werden d√ľrfen.
  • F√ľr die Bev√∂lkerung betr√§gt der √ľber 5 Jahre gemittelte Grenzwert der effektiven Dosis 1 mSv/a. 

Strahlenschutz bez√ľglich Radon:

  • Die europ√§ische Richtlinie 90/143/Euratom /REG-90/ sieht vor, einen Planungswert bei Neubauten von  200 Bq/m¬≥ und als Referenzwert, oberhalb dessen Gegenma√ünahmen einzuleiten sind, von 400 Bq/m¬≥.
  • Die europ√§ische Richtlinie 96/29/Euratom /REG-96/ legte Sicherheitsnormen f√ľr den Schutz der Ge sundheit der Arbeitskr√§fte und der Bev√∂lkerung gegen die Gefahren durch ionisierende Strahlung  auch f√ľr "Arbeiten fest, bei denen das Vorhandensein nat√ľrlicher Strahlenquellen die Exposition der  Arbeitnehmer oder von Einzelpersonen der Bev√∂lkerung so erheblich erh√∂ht, dass dies aus der Sicht  des Strahlenschutzes nicht au√üer Acht gelassen werden darf".
  • Die ICRP-Empfehlungen Nr. 65 /ICR-93/ schlagen einen Einbeziehungswert im Bereich von  500 ... 1500 Bq/m¬≥ vor, oberhalb dessen Strahlenschutzma√ünahmen durchgef√ľhrt werden sollten.
  • Rechtliche Regelungen zu Sanierungserfordernissen u. Grenzwerten gibt es bisher nur in der Schweiz  und in England (Schweiz seit 1994 /SSS-94/: Grenzwert f√ľr die Radonkonzentration in Wohn- und  Aufenthaltsr√§umen 1000 Bq/m¬≥; Grenzwert f√ľr Radonkonzentrationen im Arbeitsbe reich 3000 Bq/m¬≥; bei Neubauten 200 Bq/m¬≥; Umbauten bzw. Sanierungen 400 Bq/m¬≥). 
  • F√ľr die Problemstellung "Radon in H√§usern" wurden bisher keine internationalen Empfehlungen in  deutsche Rechtsgrundlagen umgesetzt. Die neue Strahlenschutzverordnung sieht in der Novellierung  dazu nichts vor. 
  • In Umsetzung der EU-Grundnormen /REG-90 & 96/ in der BRD wird nur der Grenzwert von 3000 Bq/m¬≥  an ausgew√§hlten Arbeitspl√§tzen eingef√ľhrt (Wasserwerke, Schaubergwerke, Kurb√§der etc.).
  • Empfehlungen (aber keine Grenzwerte, d.h. keinerlei Rechtsanspruch) gab Strahlenschutzkommission der BRD 1994 in /SSK-94/ f√ľr repr√§sentative Werte der Radonkonzentration im Wohnbereich:
    • 250 Bq/m¬≥ gilt als obere Grenze des Normalbereiches. 
    • 250 Bq/m¬≥ bis 1.000 Bq/m¬≥ gilt als Ermessensbereich f√ľr einfache Ma√ünahmen zur Reduzierung der Radonexposition. 
    • Oberhalb 1000 Bq/m¬≥ sollte die Radonkonzentration unbedingt reduziert werden.

Inhalt


Abbildung 1: Durchschnittliche Strahlenbelastung in der BRD (aus nat√ľrlichen und k√ľnstlichen Quellen)

Inhalt


Abbildung 2: Radonaktivit√§tskonzentration  in der Bodenluft /GIB-99/

Inhalt


Abbildung 3: Ausgew√§hlte Untersuchungsgebiete f√ľr die Radon - Langzeitmessungen 1996 in Sachsen

Inhalt


Abbildung 4: Radonverf√ľbarkeit in Sachsen  /CUE-96/

Inhalt


Abbildung 5: Radonkonzentration  in Geb√§uden Sachsens aus 721 Langzeit - Radonmessungen /SIG-97/

Inhalt


Abbildung 6: Radonbilanz eines Wasserwerkes (Stadt Allendorf/Hessen & Bad Brambach /JTS-98/

Inhalt


Tabelle 1: Beispiel der Schwankungsbreiten der nat√ľrlichen Strahlenbelastung in der BRD

Quellen der nat√ľrlichen Strahlenbelastung

mittlere Jahresdosis in mSv

Schwankungsbreite in mSv

Kosmische Strahlung (von Meereshöhe bis 1000 m) max. auf Zugspitze = 1,2 mSv/a

0,25...0,75

0,5

Terrestrische Strahlung (Schleswig-Holstein bis Bayrischer Wald) max. Wert 450 nSv/h = 3,9 mSv/a

0,14...1,46

1,5

Wohnen in Holzhäusern oder in Beton- bzw. Natursteinbauten

0,6...3,0

2,5

Eigenstrahlung des Körpers

0,2...0,4

0,2

Radon in Gebäuden zu Wohnzwecken

0,4...250

250

 

Inhalt


Tabelle 2: Daten verschiedener Strahlenbelastungen /BMU-99/ im Vergleich mit Grenzwerten

Grenzwerte bzw. Art der Strahlenbelastung

max. Radon- konzentration

Vergleichswerte
(effektive Dosis)

Grenzwert f√ľr beruflich strahlenexponierte Personen (jedoch bei Dauerbelastung max. 100 mSv in 5 Jahren)

 

50 mSv/a                            = 20 mSv/a

Grenzwert bei Sanierung der Wismut-Altlasten (Dosis ergibt sich vor allem aus Radon & Radon-Folgeprodukten)

50 Bq/m³

1,0 mSv/a

Radon in Atemluft im Endlager Morsleben (Kerntechnik) max. Jahresmittelwert f√ľr die beruflich strahlenexpon. Personen  (bei einer Aufenthaltszeit von 1600 Arbeitsstunden pro Jahr)

120 Bq/m³

0,35 mSv/a

Radon in Atemluft an Arbeitspl√§tzen gem√§√ü europ√§ischer Richtlinie 96/29/Euratom (Nicht-Kerntechnik) max. Jahresmittelwert f√ľr beruflich Radonexpon. Personen (bei einer Aufenthaltszeit von 1600 Arbeitsstunden pro Jahr)

3000 Bq/m³

8,8 mSv/a

1-j√§hriger Aufenthalt in einem Radon-belasteten Wohnhaus (Bev√∂lkerung) 

bei 250 Bq/m¬≥ 

bei 400 Bq/m¬≥ 

bei 1.000 Bq/m¬≥ (19,8% unserer Messwerte dar√ľber !)

 bei 1.250 Bq/m¬≥

 bei 15.000 Bq/m¬≥

 

 

                                                       4 mSv/a 

6,4 mSv/a 

16 mSv/a

 20 mSv/a

 240 mSv/a

Durchschnitt der nat√ľrlichen Strahlenbelastung in der BRD

 

2,4 mSv/a

Durchschnittl. nat√ľrliche und k√ľnstliche Strahlenbelastung (BRD)

 

4 mSv/a

Durchschnittl. berufliche Strahlenbelastung (f√ľr 330 000 Personen)

 

0,24 mSv/a

1 Jahr am KKW-Zaun

 

0,005 mSv/a

CASTOR-Transport (in 2 m Abstand vorbeifahrend)

 

0,0003 mSv

1 Ferienflug (mit insgesamt 10 h Flugdauer)

 

0,05 mSv

1 Röntgenuntersuchung (Brustkorb)

 

0,1...0,3 mSv

Radioaktiver Fall-out aus fr√ľheren Kernwaffentests (1998 in BRD)

 

<0,01 mSv/a

Auswirkungen Tschernobyl-Havarie (Dosisbeitrag 1998 in BRD)

 

<0,02 mSv/a

Inhalt


Schlussfolgerungen

Ausgehend von den erreichten Ergebnissen und Erfahrungen des im Jahre 1996 durchgef√ľhrten SMU-Vorhabens /SIG-97/ in Sachsen ergeben sich folgende Schlu√üfolgerungen:

  • Aufkl√§rung der Bev√∂lkerung zum Radon-Gesundheitsrisiko.
  • Sanierungsma√ünahmen in H√§usern mit Radonkonzentrationen gr√∂√üer 1000 Bq/m¬≥sollten (wie in Sachsen) bundesweit staatlich gef√∂rdert werden.
  • Radon-Langzeitmessungen in √∂ffentlichen bzw. kommunalen Geb√§uden sind insbesondere in Gebieten erh√∂hter Radon-Konzentration angezeigt.
  • Eine rechtliche Klarstellung zu den Sanierungsverpflichtungen ist erforderlich.
  • Die Festlegungen von Grenzwerten zur Radon-Konzentration in Wohngeb√§uden sollte bei der Novellierung der Strahlenschutzverordnung ber√ľcksichtigt werden.
  • Nutzung der Erfahrungen des Radon-Programmes der Schweiz.

Inhalt


Literatur

/BMU-99/

 Jahresbericht des BMU: Umweltradioaktivit√§t und Strahlenbelastung 1998; Berlin, November 1999

/CUE-96/

Consulting und Engineering GmbH Chemnitz: Karte der Radonverf√ľgbarkeit im Freistaat Sachsen; 1996

/GIB-99/

Geologisches Institut der Universität Bonn: Karte der Radonaktivitätskonzentration in der Bodenluft;1999

/ICR-91/

International Commission on Radiological Protection: Recommendations of the International  Commission on Radiological Protection; ICRP Publication 60; Annals of the ICRP, Band 21, Nr. 13, 1991

/ICR-93/ 

International Commission on Radiological Protection: Protection against Radon-222 at Home and at Work; ICRP Publication 65; Annals of the ICRP, Band 23, Nr. 2,1993

/JTS-98/

 H. Hingmann et al.: "Radoneintr√§ge und -austr√§ge in Wasserwerken"; 30. Jahrestagung des Fachverbandes Strahlenschutz und des √Ėsterreichischen Verbandes Strahlenschutz; Lindau 28.09.-02.10.98; S. 544

/REG-90/

Richtlinie 90/143/Euratom: Empfehlungen der Kommission vom 21.Februar 1990 zum Schutz der Bev√∂lkerung vor Rn-Exposition innerhalb von Geb√§uden; Amtsblatt der EG Nr. L 080; Br√ľssel, 27.03.90 

/REG-96/

Richtlinie 96/29/Euratom: Festlegung der grundlegenden Sicherheitsnormen f√ľr den Schutz der Gesundheit der Arbeitskr√§fte und der Bev√∂lkerung gegen die Gefahren durch ionisierende Strahlungen vom 13.05.1996; Amtsblatt der EG Nr. L 159; Br√ľssel, 29.06.96

/SIG-97/

Stoller Ingenieurtechnik GmbH: Konzeption zur Umsetzung/Realisierung von Ma√ünahmen zur Ermittlung und Minderung hoher Radonkonzentrationen in Geb√§uden; Bericht SIG 05/97; Dresden, M√§rz 1997

/SMU-95/ 

S√§chsisches Staatsministerium f√ľr Umwelt und Landesentwicklung: Verwaltungsvorschrift √ľber die Gew√§hrung von F√∂rdermitteln f√ľr Ma√ünahmen im Bereich Umweltradioaktivit√§t im Freistaat Sachsen vom 31.03.95; S√§chsisches Amtsblatt Nr. 25 vom 26.05.95

/SSK-94/

 Strahlenschutzkommission der Bundesrepublik Deutschland: Strahlenschutzgrunds√§tze zur Begrenzung der Strahlenexposition durch Radon und seine Zerfallsprodukte in Geb√§uden; Empfehlung der Strahlenschutzkommission vom 30.06.1994; Bundesanzeiger Nr. 155 vom 18.08.94

/SSS-94/ 

Strahlenschutzverordnung (StSV) der Schweiz vom 22. 06.94

Inhalt

 

Text von Michael Thiel (Nuc-Tec-Team)
fachliche Beratung: L. Schneider